Walpurgisnacht-Demo gegen sexualisierte Gewalt und Sexismus

am 30. April 2017 um 20 Uhr am Europaplatz, Tübingen

 

Wir erobern uns die Nacht zurück!! In der Walpurgisnacht gehen wir auf die Straße gegen sexualisierte Gewalt und Sexismus! Kommt allen guten "Ratschlägen" zum Trotz auf einsame Straßen, in dunkle Gassen und in Klamotten, die euch passen!

Und im Anschluss feiern wir gemeinsam in der achtbar (im Frauenprojektehaus: Weberstraße 8 in TÜ) und einer weiteren Location, die auf der Demo bekannt gegeben wird.

Seid laut und bunt! Feminismus bleibt antirassistisch!

Alle Geschlechter sind willkommen!

Wer sind wir? Ein Aktionsbündnis von Einzelpersonen und BAF e.V., Frauenbuchladen Thalestris, Frauencafé "achtbar", Frauengruppe Zumutung, Frauen helfen Frauen e.V., Frauenprojektehaus und QueerFeministische AG der iL Tübingen

 

 

 

Was ist die Walpurgisnacht? Ein kurzer Rückblick
 

Seit Mitte der 70er Jahre gingen die Frauen der Zweiten Frauenbewegung regelmäßig auf die Straße, wenn irgendwo Vergewaltigungen passiert sind. Die Frauen wollten sich mit den Opfern solidarisieren und klarmachen, dass sie Gewalt gegen Frauen nicht länger hinnehmen wollen. 1977 rief die Zeitschrift Courage zu Bundesweiten Nachtdemonstrationen gegen Gewalt gegen Frauen in der Walpurgisnacht auf. Von da an gehörte die Nacht auf den 1. Mai in vielen deutschen Städten und auch in Tübingen den Frauen. Das Motto lautete damals wie heute „Wir erobern uns die Nacht zurück!“

In Tübingen trafen sich meist mehrere hundert Frauen und zogen lautstark durch die Stadt.  Manche mit weiß geschminkten Gesichtern, in Lumpen und mit Besen als Hexe verkleidet, manche in Lederjacke und mit bunten Haaren. Nur Männer durften damals nicht mitdemonstrieren.

Es ging darum möglichst laut zu sein. Pfeifen, Schreie und Rasseln hallten in den engen Gassen der Tübinger Altstadt. Die Frauen nahmen sich den Raum und trugen ihre Wut und ihre Empörung auf die Straße. Im Schutz der großen Gruppe suchten sie die Orte der Stadt auf, an denen sie sich sonst bedroht fühlten. In dieser Nacht sollten diese Orte zurückerobert werden.
 
Ab Ende der 1980er Jahre wurde die Walpurgisnacht dazu genutzt, auf eine große Bandbreite politischer Themen aufmerksam zu machen. In Redebeiträgen und Flugblättern forderten die Frauen mehr Frauenräume, kritisierten die Wohnsituationen von Frauen in Tübingen, machten auf die Diskriminierung von Frauen mit Migrationserfahrung in Deutschland aufmerksam, bewarben den Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen und kämpften für ein Frauentaxi.

Neben dieser politischen Arbeit blieb das Hauptziel vieler Frauen in dieser Nacht vor allem die direkte Konfrontation mit den Symbolen der Unterdrückung: Illegale Aktionen wie Sachbeschädigungen empfanden viele als notwendiges Mittel, um sich den öffentlichen Raum zu erobern und anzueignen. Sie warfen Farbbeutel gegen sexistische Werbeplakate und Sexshops, klebten Sticker überall hin, sprühten Parolen und Hexen-Graffitis an Häuserwände und störten das Maisingen der Burschenschafter durch Krach und Wurfgeschosse. Sie wollten sich angstfrei, sichtbar und hörbar durch die Nacht bewegen können und sich nicht länger als potentielle Opfer fühlen oder als solche angesehen werden.

 

 

  

Walpurgisnacht-Demo 1978 in Tübingen.

Foto: Hans-Peter Hellermann, Frauenarchiv BAF.

 

 Walpurgisnacht-Demo in Tübinge, o.J.

Foto: Frauenarchiv BAF.

 

 

 

Walpurgisnacht-Demo 1988 in Tübingen.

Foto: Frauenarchiv BAF.

 

 

Walpurgisnacht-Demo 2015 in Tübingen.

Foto: Frauenarchiv BAF.

 

Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V. | info@baf-tuebingen.de